Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Leider hatten wir es verpasst, unseren Beitrag zur Bürgermeisterwahl rechtzeitig vor Redaktionsschluss beim Glienicker Kurier einzureichen. Wir veröffentlichen ihn deshalb hier.

Tim Pommeränig, Barbara Giessmann

Die Linke trifft die neue Bürgermeisterin / den neuen Bürgermeister

Um uns ein Bild über die Kandidierenden für das Amt des Bürgermeisters bzw. der Bürgermeisterin machen zu können, haben wir Lydia Neilson (Grüne), Michael Breier (parteilos, ehemals CDU), Arno Steguweit (CDU) und Uwe Klein (SPD) in unsere Ortsverbandssitzung am 3. Juli im Bürgerhaus eingeladen. Zum Zeitpunkt der Einladung gab es einen weiteren Kandidaten von der AfD. Die Linke Glienicke hat jedoch bewusst nur die Vertreter demokratischer Parteien eingeladen.

Wir erinnern uns alle:

Im Jahr 2009 kandidierte unser heutiger Bürgermeister Dr. Oberlack erstmalig. Aufgestellt von der FDP und unterstützt durch die damalige CDU-Fraktion gewann er die Wahl gegen den amtierenden SPD- Bürgermeister Joachim Bienert. Nach acht Jahren wiederholte er in einer Stichwahl gegen den Gegenkandidaten der SPD  seinen Erfolg. Nach 16 Jahren Amtszeit und insgesamt 32 Jahren männlicher Dominanz in dieser Position möchte Dr. Oberlack den „Staffelstab des Amtes“ nun gerne an den CDU-Kandidaten Arno Steguweit übergeben(siehe Glienicker Kurier Juli 2025). Das ist bemerkenswert.

Eine tolle und gute Veranstaltung zu unserer Kandidatenbefragung:

Alle geladenen Kandidaten haben sich auf sehr unterschiedliche Weise bürgerfreundlich gezeigt.

Für Uwe Klein (SPD, Glienicker Bürger, aktuell im Arbeitszeitmanagement tätig) steht das „Zusammenkommen“ im Fokus, was sowohl die Bürgerinnen und Bürger selbst als auch die Fraktionen der GVT betreffen soll. Seine Forderung nach der Wiedereinführung einer regelmäßigen Tagung der Fraktionsvorsitzenden der GVT zu kommunalpolitischen Themen wurde von uns kritisch betrachtet. Für uns sind Bürgerversammlungen zu kommunalpolitischen Themen wichtiger. Klein steht für kommunalen, bezahlbaren Wohnungsbau in Glienicke, mit Vergabe nach dem „Einheimischenmodell“. Soziale Fragen müssen aktiv geklärt werden.

Die Verwaltung will er modernisieren, effizienter machen und Defizite bereinigen. Sehr bekannt aus seinen kommunalpolitischen Aktivitäten möchte er jedoch im Amt strikte politische Neutralität zeigen, „Sachpolitik vor Parteipolitik“.

Arno Steguweit (CDU, Glienicker Bürger und aktuell Einzelhändler in Glienicke) überraschte uns mit seiner klaren Aussage für einen sozialen Wohnungsbau und der Förderung der sozial Schwachen. Allerdings bedeutet für ihn sozialer Wohnungsbau auch den Abriss  „heruntergekommener, gemeindeeigener“ Gebäude und Neubau. Was dies für die dort noch zu günstigen Mieten Wohnenden bedeutet, blieb offen. Seine politische Heimat hat er vor zwei Jahren in der CDU gefunden. Dies komme aus seiner christlichen, sozialen Werteorientierung. Für ihn muss der Stil des Umgangs (z.B. in der GVT) wertschätzender werden und allgemein soll es eine lebendigere Beteiligung der Menschen in Glienicke geben.

Michael Breier (parteilos, frisch aus der CDU ausgetreten, Glienicker Bürger und aktuell im Servicemanagement eines Unternehmens tätig) arbeitet gern integrierend und parteiübergreifend. Ihm liegen die Gemeinde und ein schönes Ortsbild am Herzen. Er möchte die Menschen abholen und langfristige Bindungen erzeugen. Das Ortsbild und die Gemeinschaft sollen gestärkt werden, hier wären z.B. klimagerechte Bäume, Ersatz abgestorbener Bäume, Schutz von Grünanlagen und eine bedarfsgerechte Modernisierung der Schule sowie ein Bürgerfest mögliche Wege.

Lydia Neilson (Grüne, Glienicker Bürgerin, derzeit tätig in der Unternehmensverwaltung einer Firma mit kommunaler Beteiligung) war für uns eine Überraschungskandidatin. Als Frau und politische Newcomerin setzt sie auf die Themen sozialer Wohnungsbau, Bürgerbeteiligung durch aktives Zugehen auf die Menschen als Eckpfeiler ihres Handelns als Bürgermeisterin. Ihr Credo: Nicht abwarten, ob jemand im Rahmen einer Bürgersprechstunde kommt, sondern aktiv Handeln, Bürger zur Diskussion einladen. Vertrauend auf die Unterstützung der aus ihrer Erfahrung guten Gemeindeverwaltung, zeigte sie sich mutig, selbstbewusst und kompetent für die angestrebte Aufgabe, hatte Verständnis für „unterschiedliche Realitäten, Wahrnehmungen und Wünsche“.

Für den Ortsverband der LINKEN hat sich gezeigt, dass wir mit allen Kandidaten gut zusammenarbeiten könnten. Unsere Anregungen wurden aufgenommen.

Was wir wollen

Bürger- und Anliegerversammlungen

Die Einwohnerfragestunde reicht für Bürgerinnen und Bürger nicht mehr aus, die Beratungen in den Ausschüssen verlaufen in der Regel ohne sie. Den Ausschusssitzungen dürfen sie nur als stumme Zuhörer folgen. Sie bekommen zwar gelegentlich Rederecht, können aber nicht wirklich mitreden. Wir brauchen Bürger- oder Anliegerversammlungen – ob zu einem Thema oder spezifisch für die Ortsteile – sie machen die Schwellen für Mitwirkung und Mitentscheidung niedriger. Auch Arbeitsgruppen der Gemeindevertretung müssen den Bürgerinnen und Bürgern offenstehen.

Ortsbild und Gehwegausbau

Anlieger müssen keine Anliegerbeiträge mehr zahlen. Trotzdem müssen sie rechtzeitig informiert werden und dann auch gehört werden. Das gilt auch für das Setzen von Pollern zum Schutz der Grünstreifen am Straßenrand.

Wohnungsbau und Sanierung

Wohnungsbau, der ausschließlich renditeorientiert ist, treibt die Preise. Dem kann man nur durch kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnungsneubau und Sanierung des eigenen Bestandes begegnen. Für altengerechten Umbau von Wohnungen gibt es Fördermittel, hier kann die Gemeinde beraten und notfalls auch unterstützen. Da Glienicke wenig größere Flächen hat, sollte man mit den Nachbargemeinden reden, um die Kräfte zu bündeln und gemeinsam Ideen für einen sozialen Wohnungsbau zu entwickeln.

Verkehrs- und Lärmbelastung

Der Anstieg der Verkehrs- und Lärmbelastung muss begrenzt werden, das kann auch durch Tempo 30, Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs oder den Ausbau der Radwege erreicht werden. Wir haben dazu gute Vorschläge auf dem Tisch, manche lassen sich auch probeweise zeitnah umsetzen. Längerfristig müssen wir uns auf der Grundlage des interkommunalen Verkehrskonzept mit den Nachbarkommunen abstimmen. Mit der Heidekrautbahn auf der Stammstrecke, dem X26  und den Verbindungen nach Schildow und Mühlenbeck setzen wir uns für bessere Verbindungen zur S-Bahn nach Frohnau, Hermsdorf und Schönfließ.

Verwaltung stärken

Die Verwaltung ist das Rückgrat der Gemeinde. Notwendige gegenseitige Vertretung verlangt regelmäßige Weiterbildung und Qualifizierungsmaßnahmen. Dies unterstützt die tägliche Arbeit und stärkt die Bürgernähe. Das erspart gleichzeitig externe Vergaben und unnötige Gutachter- oder Beratungskosten.

Naturparkregion

Die Nachbargemeinden Birkenwerder und Mühlenbecker Land sind wie Glienicke als Naturparkgemeinden ausgezeichnet worden. Wenn wir mit unseren Nachbarn zusammenarbeiten, können wir über die Gemeindegrenzen hinaus eine Naturparkregion gemeinsam erhalten, gestalten und weiterentwickeln.

Erinnerungen bewahren

Wir wollen, dass auch in unserem Ort die Geschichte zwischen 1945 und 1990 nicht nur auf Mauerbau und kommunistische Diktatur reduziert wird. An manches erinnert man sich gern, an anderes weniger. Trotz politischer Überladung  hatten wir Freunde und Freude miteinander, haben vieles gemeinsam geschaffen und erreicht. Wenn wir weiter uns alle einander mehr zuhören, verstehen wir uns am Ende auch immer besser.